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Ford Nugget 4×4 von GM-Leasing im Test – Wie bewährt sich der Campingbus offroad?

GM Leasing bringt den Kompaktcamper Ford Nugget seit neuestem als Allradvariante. Was er für rund 12.500 Euro Aufpreis im Gelände kann, haben wir getestet.

Es spritzt, schmatzt und scharrt – nein, die Rede ist nicht von einem süßen kleinen Ferkel, das sich genüsslich im Matsch suhlt. Obwohl dieses Bild eigentlich ganz gut passt. Der knuffig-kompakte Ford Transit Custom guckt ähnlich keck und unternehmungslustig aus seinen Scheinwerferaugen, wie so ein kleines Schweinchen. Und im Matsch wühlen tut er genauso gerne – oder zumindest sein Fahrer. Allerdings nur dann, wenn es sich um die neue 4×4-Variante des beliebten Campingbus-Modells Ford Nugget handelt, der auf dem Transit Custom basiert.

Offroad-Test

Wir nehmen eine Passage auf dem teils ziemlich fordernden Offroad-Parcours in der Nähe von Mittenwald im Karwendelgebirge unter die grobstolligen Räder. Die Höherlegung um zehn Zentimeter verbessert die ohnehin schon relativ guten Böschungs- und Rampenwinkel des Transit Custom nochmals spürbar. Durch den Hohlweg mit den ausgefurchten Fahrspuren und über die kleine Felspassage krabbelt er mit links. Nun folgt eine Schlammkuhle mit trübem Wasser – Tiefe schwer abschätzbar. Langsam hineintasten, alles gut, okay das passt.

Nun kommt der spaßige Teil: Zurücksetzen und dann durch mit Schwung, so dass es richtig spritzt. Yeah! Nach drei, vier Jumps ist der Teich allerdings fast leergepumpt, wir müssen uns einen anderen suchen. Aber daran herrscht hier kein Mangel.

Das Allradsystem des Nugget 4×4 ist keine Werkskonstruktion, sondern eine Nachrüstlösung der Offroad-Experten von Extremfahrzeuge. Die GM Leasing mit Sitz in Kochel am See, spezialisiert auf Optimierung, Vermietung und Verkauf kompakter Campingbusse, bringt beides zusammen und kreiert daraus einen vielseitigen Allradcamper. Die 4×4-Spezialisten aus dem schwäbischen Schwenningen fanden dafür einen guten Kompromiss zwischen extremer Geländegängigkeit, die typischerweise Nachteile onroad mit sich bringt und gängigen modernen Werksallradlösungen, die die weitgehend unauffällig im Hintergrund arbeiten.

Eine, ganz links im Armaturenbrett geschickt integrierte Sensortaste mit der Beschriftung „4×4 Lock“ ist der einzige Hinweis, der dem Piloten den besonderen Antrieb im Cockpit verrät. Die Taste kann in drei Farben leuchten: Blau bedeutet, der Nugget ist mit serienmäßigem Vorderradantrieb unterwegs. Die Tastenfarbe wechselt auf Grün, sobald die Elektronik Schlupf an den Rädern feststellt und dann selbststätig die Hinterachse mit antreibt. Nach einem Tipp auf die Taste strahlt sie schließlich in Rot und weist darauf hin, dass der Allradantrieb permanent eingelockt ist.

Ford Nugget Plus (2018)

Jetzt wagen wir uns an ein extremes Steigungsstück, teils mit Felsen, teils mit losem Schotter und Erde als Untergrund. Ein Stück kommen wir voran, dann erstirbt der Motor. Nach dem Neustart geben wir nach einem ersten Anfahrversuch lieber auf – weitere würden die Kupplung morden. Vorsichtig lassen wir den Nugget zurückrollen. Hier zeigen sich die Grenzen des Systems. Eine Getriebeuntersetzung gibt es nämlich nicht, die das kräftige Drehmoment (405 Nm) des 170-PS-Motors feinfühlig an die Räder weitergeben würde. Leider lässt sich das sonst optional erhältliche Automatikgetriebe auch nicht mit dem Allradsystem kombinieren. Es könnte sonst als feindosierbare Anfahrhilfe dienen.

Fahren auf normalen Straßen

Doch der Nugget 4×4 soll auch keinem Unimog Konkurrenz machen. Zurück auf der Straße verblüfft der Allradcamper viel mehr mit Fahreigenschaften, die keine größeren Kompromisse gegenüber der Frontantriebsversion nötig machen. Die grobstollige Allterrain-Bereifung mit Grabber AT3 von General gibt sich auf dem Asphalt erstaunlich zivil. Die Pneus werden weder durch übermäßige Lautstärke und Vibrationen, noch durch ein schwammiges Lenk- und Kurvenverhalten auffällig. Auch wirkt der quirlige Top-Motor, mit dem der 4×4-Nugget ausschließlich angeboten wird, in seinem Temperament durch die zusätzlichen Fahrwiderstände und das Mehrgewicht des Allradantriebs nur unmerklich gebändigt.

Tagesausklang am Ufer der Isar. Der schönste Platz ist auf dem Kiesbett am Rande des Wassers. Gemütlich vor dem Bus am Lagerfeuer sitzen in der Abenddämmerung – was gibt es Schöneres. Beim Rangieren in die passende Position graben sich die Räder ein stückweit in den Kies, der nicht so fest ist, wie gedacht. Doch das Allradsystem arbeitet zuverlässig, bei leichtem Scharren eines „Grabbers“ wird das Antriebsmoment sofort auf die anderen verteilt. Der Nugget 4×4 schafft es nicht nur auf diesen „1000-Sterne-Platz“ zu kommen, sondern auch wieder zurück auf die Straße. Genau dafür ist der Allrad gedacht. Happy End.:

Daten und Preise zum Ford Nugget 4×4

Fahrzeugart: Campingbus mit Aufstelldach auf Basis des Transit Custom, Allradumbau mit Höherlegung (100 mm)
Maße (L/B/H): 4972/1986/2160 mm
Zulässiges Gesamtgewicht: 3140 kg
Motor: 125 kW/170 PS
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Preise:
Grundpreis Ford Nugget 4×4: ab 59.640 Euro
Hinterachse-Differenzialsperre: ca. 2850 Euro
Motor-Unterfahrschutzblech: ca. 525 Euro
18-Zoll-Allterrain-Bereifung: ca. 2000 Euro

Fazit

Die neue Allradversion des beliebten Campingbusmodells Ford Nugget kommt im Gelände erstaunlich weit, ohne, dass man sich auf der Straße größere Nachteile einhandeln würde. Rund 12.500 Euro extra für die 4×4-Variante sind natürlich eine Stange Geld und deutlich mehr als mancher Werksallrad für andere Transporter kostet. Dafür ist eine Höherlegung um zehn Zentimeter aber schon inbegriffen, die den Nugget 4×4 deutlich offroad-tauglicher macht, als andere. Wer also etwas mehr möchte, als nur aus der feuchten Wiese rauszukommen, aber gleichzeitig auf gute Onroad-Eigenschaften nicht verzichten will, sollte mit dem Ford Nugget 4×4 nicht falsch liegen.
Erhältlich bei: GM-Leasing, Kochel