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Technik: Nach dem Start gleich losstarten

Im Winter lassen manche Autofahrer gerne mal den Motor laufen, damit sich der Innenraum aufwärmt. Doch das Laufenlassen schädigt nicht nur die Umwelt, es setzt auch dem Motor zu.

Der Audi parkt an der Straße und der Motor läuft. Es sitzt kein Fahrer am Steuer, weit und breit ist niemand zu sehen. Dieselgeruch flutet die nahe Wohnsiedlung. Es ist ein kalter Wintertag, aber nicht so frostig, dass sich Eis auf den Scheiben der Autos gebildet hätte. Der Grund für den laufenden Motor ist allein die Bequemlichkeit des Besitzers: Er scheut die Kälte und bevorzugt es, direkt nach dem Frühstück in ein warmes Autos einzusteigen. Dieses Verhalten lässt sich nicht einfach als Unsitte abtun. Es zeigt eine Ignoranz auf vielen Ebenen. Die Botschaft lautet: Umweltschutz ist nur von Bedeutung, solange er nicht der eigenen Bequemlichkeit im Wege steht.

Dabei sind die positiven Effekte des Motor-warmlaufen-Lassens bestenfalls überschaubar. Oder wie es ADAC-Sprecher Hans Pieper kurz in einem einzigen Satz zusammenfasst: „Es macht unnötigen Lärm, erhöht den Verschleiß und bringt zudem nicht viel.“

Das beginnt bei den technischen Risiken: „Ein Kaltstart bedeutet für den Motor eine Extrembelastung“, erklärt Vincenzo Lucà vom TÜV Süd. Je länger das Auto nach dem Anlassen steht, umso schlechter ist es für das Triebwerk, da es bei geringen Drehzahlen langsamer warm wird. Das führt zu schnellerem Verschleiß, weil zum Beispiel das noch dickflüssige Öl nicht an alle Schmierstellen gelangt. Hinzu kommt der höhere Ausstoß von Abgasen, da der Spritverbrauch bei einem kalten Motor um ein Vielfaches größer ist. „Hochgerechnet würde ein Benzinmotor auf diese Weise 25 bis 30 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen“, sagt TÜV-Sprecher Vincenzo Lucà. Einige Minuten nach dem Losfahren reguliert sich der Effekt.

Trotzdem lassen sich einige Autofahrer im Winter nicht von dieser Methode abbringen. Das Argument, das immer fällt, lautet: Anders ließen sich die Scheiben nicht vom Eis befreien. Bereits nach 100 Metern sei die Sicht wieder verschleiert. Und bevor man selbst zum Sicherheitsrisiko würde, nähme man die Umweltverschmutzung lieber in Kauf. Doch das ist Unsinn.

Es gibt effektivere Methoden, die Scheibe von Eis zu befreien. Die naheliegende ist, den Frost vor der Fahrt mit einem Kratzer oder mit Sprays auf Alkoholbasis zu entfernen. Wem das zu mühselig ist: Eine Folie auf der Frontscheibe am Vorabend verhindert das Vereisen der Scheibe. Beschlägt sie von innen, hilft die „Defrost“-Funktion der Belüftung. Das Gebläse auf volle Leistung, am besten mit Klimaanlage – schon verschwindet der störende Schleier. Zudem gibt es spezielle Fensterleder, mit der sich die Scheiben von innen reinigen lassen. Wer häufiger mit diesem Problem zu kämpfen hat: Eine Dose mit Holzkohle oder Kaffee entzieht der Luft die Feuchtigkeit.

Bleiben nur noch die Bequemlichkeit der Autofahrer und die Sehnsucht nach ein bisschen Wärme. Dabei ist der Effekt auf die Heizung nur gering, wenn der Motor im Stand läuft. Ein Test des ADAC bei minus zehn Grad zeigte, dass die Luft aus dem Gebläse nach vier Minuten gerade einmal eine Temperatur von 13 Grad erreichte. Heimelig warm geht anders. Und selbst wenn: Den Motor im Stand zu diesem Zweck laufen zu lassen, ist schlichtweg verboten. Das besagt Paragraf 30 der Straßenverkehrsordnung: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen (…)“

So kann der Rat an alle, die im Winter trotzdem ihr Auto warmlaufen lassen wollen, nur lauten: bleiben lassen. Der Umwelt und dem Auto zuliebe. Wem die Wärme im Winter wirklich so wichtig ist, rüstet eine Standheizung nach. Die sorgt für angenehme Temperaturen per Fernbedienung, ganz ohne den Motor zu starten. Der größte Vorteil ist: Um sie einzuschalten, muss man nicht einmal die Wohnung verlassen.