Zulassungsstatistik: Jeder fünfte Neuwagen fährt mit Allradantrieb


 
 
 

Das Angebot an vierradgetriebenen Fahrzeugen wird immer größer. Und das bei Weitem nicht nur wegen des Geländewagenbooms. Bei SUVs lässt sich derzeit sogar ein gegenläufiger Trend feststellen.

Es ist eine positive Wahrheit mit dem Aufstieg der SUVs verknüpft: Die Zahl allradgetriebener Autos auf deutschen Straßen hat sich enorm erhöht. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) weist für die ersten zehn Monate dieses Jahres exakt 589.785 Neuzulassungen mit Allradantrieb aus, das ist ein Anteil von 20,2 Prozent.

Blickt man zurück auf 2004, das früheste Jahr, dessen Zahlen man beim KBA öffentlich nachlesen kann, so waren es im Vergleichszeitraum nur 205.615 Allradzulassungen, die damals gerade 7,6 Prozent vom Gesamtmarkt ausmachten.

Allradantrieb erhöht definitiv und nachweislich die Fahrsicherheit und hilft dabei, Unfälle zu vermeiden, vor allem natürlich auf nassen, glatten oder verschneiten Straßen. Und abseits des Asphalts hilft Allradantrieb ebenfalls weiter, auch wenn das in der Regel nicht das Problem der SUV-Fahrer ist.

179 von 324 auf dem deutschen Markt angebotenen Pkw-Modellen sind heute mit Allradantrieb bestellbar, also mehr als die Hälfte (55,2 Prozent). 2004 gab es dagegen nur für 35,7 Prozent aller Pkw-Modelle die Möglichkeit, sie auch mit Allradantrieb zu kaufen. Weil es damals nur 49 verschiedene Geländewagen und SUVs gab, während sich diese Zahl heute beinahe verdoppelt hat, auf 97.

SUV bedeutet längst nicht mehr Allrad

Weil sie selten bis nie ins Gelände kommen, werden mehr und mehr SUVs aber auch ohne Allradantrieb angeboten, teilweise sogar ausschließlich mit Frontantrieb – das gilt etwa für alle Modelle von Peugeot, Citroen und DS. Auch andere Hersteller gehen diesen technischen Weg zurück, gerade kleine und kompakte SUVs werden vielfach von nur einer Achse angetrieben.

Beim Audi Q2 etwa entschieden sich dieses Jahr bislang nur 3607 von 18.330 Käufern für ein quattro-Modell, auch beim Q3 überwiegt der Frontantriebs-Anteil (8566 zu 4996). Wie bei den meisten Marken steigt auch bei Audi der Allradanteil mit der Größe der SUVs, Q7 und Q8 etwa sind ausschließlich als quattro zu haben.

Selbst Land Rover als originäre Offroadmarke bietet heute SUVs auch mit Frontantrieb an, nämlich den Discovery Sport und den Range Rover Evoque. Der Verzicht auf die Allradtechnik wird mit günstigeren Verbrauchswerten begründet, Land-Rover-Kunden schätzen jedoch glaubwürdige Allradtechnik höher: Die Frontantriebsanteile von Discovery Sport (2,4 Prozent) und Evoque (0,4 Prozent) sind verschwindend gering. Etwas anders ist es bei den Jeep-Modellen Compass und Renegade, die zu immerhin 31,1 bzw. 69,2 Prozent mit Frontantrieb verkauft werden.

Größte Allradanbieter in Deutschland sind die drei Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes. Unter dem guten Stern werden die meisten Allradmodelle angeboten, mit dem Namenszusatz 4matic kann man 17 von 20 Mercedes-Typen kaufen, nur SL, SLK und der Kleintransporter Citan sind immer ohne Allrad zu haben.

BMW kann 15 seiner 16 Modelle auch als xDrive anbieten, nur der Elektrowagen i3 entzieht sich. Audi verkauft in absoluten Zahlen die meisten Allradautos, bis Ende Oktober waren es 102.113 Exemplare mit quattro-Schriftzug. Alle zwölf Baureihen mit Allradantrieb anbieten zu können, darauf hat sich Audi immer etwas zugute gehalten – doch das ist mit der zweiten Generation des A1 vorbei: Der Kleinwagen wird nach langer Zeit der erste Audi, für den kein Allradantrieb mehr verfügbar ist.

Dennoch muss man sich um die Allradtechnik keine Sorgen machen: Für 2019 sind zehn SUV-Modelle angekündigt, die es vorher noch nicht gab.