Ist der Suzuki Vitara ein SUV-Schnäppchen?

Suzuki Vitara

 
 
 

Der Suzuki Vitara wandelte sich mit dem letzten Generationswechsel vom veritablen Geländegänger zum Mainstream-SUV. AUTO TEST zeigt, was sich mit dem aktuellen Facelift getan hat!

Der Suzuki Vitara ist dem Namen nach ein alter Bekannter. Er startete 1988 als kurzer Dreitürer mit raubeinigem Charme, 1990 folgte ein Fünftürer mit längerem Radstand. Ab 1998 firmierte die zweite Modellreihe unter dem Namen Grand Vitara, 2005 abgelöst von Generation drei. 2015 erfolgte dann der Wechsel vom kernigen Offroader mit Leiterrahmen zum nun wieder nur Vitara heißenden SUV, das mit seinen Ahnen etwa so viel gemein hat wie ein Stubentiger mit einer Wildkatze. Ende 2018 folgte das aktuelle Faceliftmodell. Diese Modellpflege ging mit einem einschneidenden Eingriff in die Motorenpalette einher: Die überaus sparsamen Diesel wurden komplett aus dem Programm genommen. Jetzt stehen für den Vitara nur noch zwei Benziner mit 111 bzw. 140 PS zur Wahl. Beide Aggregate sind direkteinspritzende Turbomotoren mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Das schwächere, ein Dreizylinder, löst den 1.6-Basisbenziner mit 120 PS ab, der 140-PS-Benziner ist ein kräftiger Vierzylinder, der mit zurückhaltender Geräuschkulisse den Ohren schmeichelt. Und weil er sein turbounterfüttertes Drehmoment von 220 Newtonmetern über einen weiten Bereich von 1500 bis 4000 Umdrehungen spannt, ist es nur selten nötig, ihn bis zu seinem Leistungsmaximum bei 5500 Touren zu drehen. So lässt sich auch der gerade mal 1120 Kilogramm schwere Benziner tendenziell sehr sparsam bewegen.

Für echten Geländeeinsatz ist der Vitara kaum geeignet

Etwas zu viel Bewegung genießt vielleicht der Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes auf seinen Wegen, doch dafür flutschen die Zahnräder mit leichtem Biss ineinander. Einen Sechsstufenwandler (1500 Euro) gibt es für den großen Motor nur optional zum Allradantrieb (2300 Euro), beim kleinen Benziner lässt sich das manuelle Fünfganggetriebe in beiden Antriebsvarianten durch den Wandler ersetzen. Der Allradantrieb, bei dem es sich um eine SUV-übliche semipermanente Lösung mittels Lamellenkupplung handelt, wirft zusätzliche 75 Kilo in die Waagschale. Im Bedarfsfall kann er fast 50 Prozent der Antriebskraft an die Hinterräder weiterleiten, Räder ohne Grip werden mittels ESP eingebremst. Speziell beim Anfahren auf feuchter oder gar glatter Fahrbahn ist die Momentenverschiebung hilfreich. Aber für einen echten Geländeeinsatz ist der Vitara kaum geeignet – da stehen ihm seine geringe Bodenfreiheit von 18,5 Zentimetern und der lange vordere Überhang im Wege, der nur magere 18 Grad Böschungswinkel zulässt. Die Lenkung des Vitara ist leichtgängig und für ein SUV ausreichend präzise. Auch sonst fährt sich der 4,18 Meter kurze Vitara sehr handlich, bis auf eine Ausnahme: Mit 11,5 bzw. 11,2 Meter (links/rechts) zieht der kleine Kerl arg große Wendekreise.

Das Schnäppchen-Argument ist schnell passé

Die Preisliste des Suzuki Vitara ist zwar in ihrer Gestaltung unübersichtlich, hält aber nicht viele Überraschungen parat. Die Basis „Club“ gibt es ausschließlich für den kleinen Benziner mit manuellem Getriebe, und abgesehen vom Funkschlüssel inklusive Zentralverriegelung entdecken wir hier nichts, was wir nicht auch erwarten dürften (Bluetooth-Freisprecheinrichtung, elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage, Rückbank 60:40 geteilt). Wer Allrad, Automatik oder gar den großen Benziner möchte, der muss die zweite Linie „Comfort“ (2600 Euro) nehmen. Damit steigt der Ausstattungsumfang deutlich an, wobei alle gescheiten Assistenz-Extras – aktiver Spurhalter, Totwinkelwarner – ohne ersichtlichen Grund an den Allradantrieb gekoppelt sind. Die Toplinie „Comfort+“ lässt, abgesehen von der Lackierung, keinerlei Wahlmöglichkeiten. Da es die Vollausstattung nur mit dem starken Benziner samt Allradantrieb gibt, entfernt sie sich fast 10.000 Euro vom Startpreis. Das Schnäppchen-Argument, welches für einen Vitara aus dem unteren Mittelfeld spricht, ist damit passé.

Die Haltbarkeit des technischen Unterbaus beeindruckt

AUTO BILD ALLRAD hatte bis vor Kurzem einen Vor-Facelift-Vitara im Dauertestfuhrpark. Die größte Überraschung offenbarte zu dessen Abschlussuntersuchung der Unterboden. Denn trotz schonungsloser Einsätze während zweier süddeutscher Salzwinter zeigten sich sämtliche Komponenten in einem tadellosen und absolut rostfreien Zustand. Das spricht für die hervorragende Verarbeitungsqualität an der Fahrzeugunterseite. Auf der Oberseite hingegen war dem Lack der Zeitraffer-Langstreckenbetrieb deutlich anzusehen: zahlreiche Lackabplatzer, wie von feinkörnigem Schrot verursacht. Ebenso beeindruckend wie der haltbare technische Unterbau ist die Zuladung des kleinen SUVs: 510 bis 645 Kilogramm reichen locker für vier Erwachsene mit je einem großen Reisekoffer. Wir behaupten, hier wird der Raum sehr knapp, bevor die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Bei der Anhängelast zeigt sich Suzuki weniger großzügig. Beide Motorvarianten dürfen maximal 1200 Kilo an den günstigen Haken (inkl. E-Satz ab 470 Euro, ohne Einbau) nehmen. Die Preise für den Vitara beginnen bei 29.850. (Bei Carwow gibt es den Vitara ab 5630 Euro günstiger.)

Fazit von Attila Langhammer: Der Suzuki Vitara ist ein grundsolider Typ mit attraktivem Raumangebot. Allerdings würden wir einen Bogen um die reichhaltige Topausstattung machen, denn damit wird er für das, was er prinzipiell bietet, zu teuer. Der Allradler ist in schneesicheren Gebieten sinnvoll, für ernsthaftere Einsätze im Gelände kommt er dagegen kaum infrage.