Renault Kadjar – Allrad für Allroad

Renault Kadjar

 
 
 

Renault hat den Kadjar geliftet und dem SUV erstmals einen Allradantrieb spendiert – und zwar in Kombination mit der laufruhigen Diesel-Topmotorisierung mit 150 Pferdchen unter der Haube.

Auch Motorjournalisten brauchen Facelifts beziehungsweise Urlaub – und warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und mit einem Testauto Richtung Nürnberg brausen? Die geschichtsträchtige Stadt ist ungefähr 340 Kilometer von Linz entfernt. Hin und retour mit einer Tankfüllung, das sollte doch der geliftete Renault Kadjar hinbekommen.

Ein paar Abstecher und kurze Wege noch dazugerechnet, sollten 800 Kilometer auf das gut 40.000 Euro teure, blaue Sport Utility Vehicle (SUV) kommen. Das kompakte SUV wirkt außen sehr weich – direkt figurbetont. Vor allem das optisch breite Heck, das sich nach oben verjüngt, strahlt Anmut aus.

Kann das dann mit den Tempobolzern – wenn es nicht gerade einen Stau gibt – auf den deutschen Autobahnen mithalten, ist es angenehm genug für längere Autobahnfahrten und passt auch genug in den Kofferraum für den Trip zu Zweit?

Die Probe aufs Exempel folgt sogleich. Der solide verarbeitete, 472 Liter fassende Kofferraum ist zwar gut gefüllt – eine Frage noch: warum brauchen Frauen fünf Paar Schuhe für drei Tage Urlaub – aber der doppelte Ladeboden wurde dabei nicht angetastet. Die Rückbank bleibt leer (bis aufs obligatorische Probesitzen) und vorne schmiegen sich die Ledersitze elegant an Fahrer und Beifahrer. Der 150 PS starke Dieselmotor – das ist übrigens die einzige Variante in der es den Kadjar mit Allradantrieb gibt – erweist sich von Beginn an kultiviert.

Allzu zügig geht es der knapp 1,7 Tonnen schwere Franzose nicht an, der dezent klingende 1800 Kubikzentimeter große Vierzylinder-Selbstzünder verlangt auch rasch nach Schaltmanövern, aber nach und nach kommt der Kadjar sprichwörtlich in die Gänge. Laut Digitaltacho schafft das SUV sogar 204 km/h, im Zulassungsschein stehen lediglich 197. Der Herzallerliebsten sind die Details egal, sie nutzt bei den Geschwindigkeiten die Haltegriffe in der Mittelkonsole und über der Beifahrertür.

Abseits dessen sprudelt auch sie vor Lob über – die Ablagen sind mannigfaltig und ausreichend dimensioniert, die Rundum-Sicht im gelifteten Kadjar nahezu perfekt und man entsteigt dem höhergelegten Fünfsitzer auch nach stundenlanger Fahrt frisch und entspannt. Zudem erweist sich der komfortabel gefederte Selbstzünder mit seiner angenehmen Lenkung als sparsam: 6,1 Liter sind ein wirklich guter Wert.

Per Drehknopf kann der Fahrer zwischen drei Antriebsarten wählen: dem kraftstoffsparenden Frontantrieb, dem Allradantrieb, der sich bei Traktionsverlust automatisch aktiviert sowie dem starrem Allradmodus für schwieriges Terrain und winterliche Verhältnisse. So steht es in den Renault-Unterlagen – und die stimmen. Wobei die winterlichen Verhältnisse während des Testzeitraums nicht unbedingt vorgeherrscht haben. Dann schon eher sommerliche Temperaturen, weshalb die Sitzheizung (die Schalter sind gewöhnungsbedürftig platziert, befinden sich nämlich in der Mittelkonsole) nicht unbedingt benutzt wurde, jedoch die Klimaanlage, die nun vornehmlich über drei runde Dreh-Drück-Schalter bedient wird.

Ansonsten zeigt sich der Kadjar in der Ausstattungslinie Black Edition gut bestückt: Rückfahrkamera, Einpark-Assistent, USB-Ports, Tempomat, sieben Zoll großer, ins nüchtern gestaltete Cockpit eingebetteter Touchscreen, Eco-Modus (mit Trainingstipps fürs umweltfreundliche Fahren) und Verkehrszeichenerkennung sind unter anderem an Bord. Die Aufpreisliste ist kurz und fair bepreist – das Facelift ist gelungen.

Fazit: Der Kadjar ist erwachsen geworden. Die Kombination 150 Diesel-PS, 1800er-Motor, Sechsgangschaltung und Allrad ist äußerst gelungen. Einzig die Menüführung ist nicht intuitiv – bekommt Renault auch das in den Griff, ist der Kadjar in seinem Segment kaum noch zu biegen.

Typenschein

Renault Kadjar Blue dCi 150 4WD Black Edition

Preis: ab € 38.890,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 40.274,50 inklusive Park-Premium-Paket € 650,-, Reserverad € 117,- und Metallisée-Lackierung Iron-Blau € 617,50; einen Renault Kadjar (TCe 140 PF Life) gibt es ab € 22.890,-
NoVA/Steuer: 10 %/ € 649,44 jährlich
Garantie: 4 Jahre bis max. 100.000 km im dritten und vierten Jahr, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 30.000 km oder jährlich

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Common-Rail, Turbolader, Partikelfilter, 1749 cm³, 110 kW/150 PS bei 3500 U/min, max. Drehmoment 340 Nm bei 1750 U/min
Getriebe: Sechsgangschaltung
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,6 s
Leistungsgewicht: 11,15 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 6,3/4,7/5,2 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 6,1 Liter
CO2-Ausstoß: 138 g/km
NOx: 0,0465 g/km; Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4489/1836/1613 mm
Radstand: 2646 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1672/2139 kg
Kofferraum: 472-1478 Liter
Tank: 55 Liter (Diesel)
Reifen: 4 x 225/45 R19 96W auf 19“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA
Airbags: 6

Geländedaten:
Bodenfreiheit: 200 mm
Böschungswinkel vorne: 17°
Hinten: 25°
Rampenwinkel: 13,5°