6. Stoppelackerrennen des Highlander’s Allrad Club Berglen

6. Stoppelackerrennen des Highlander’s Allrad Club Berglen

 
 
 

Berglen-Birkenweißbuch. Der Geruch von Freiheit und Abenteuer legt sich am Samstagnachmittag wie eine Glocke über einen abgeernteten und von der Sonne verbrannten Getreideacker neben der Teckstraße. Er mischt sich zusammen aus Autoabgasen, verbranntem Gummi und Staub. An zwei strahlenden Spätsommertagen feierte der Highlander’s Allrad Club Berglen zwischen Obstplantage und Maisfeld am Freitag und Samstag sein 6. Stoppelackerrennen.

Weiße Blusen verfärben sich schwarz, Make-up verläuft in der brütenden Hitze, und gegen das ohrenbetäubende Heulen von Automotoren, die bis in höchste Drehzahlen hinauf gequält werden, kommen weder ACDCs „Higway to hell“ noch Rammsteins donnernde Bässe an. Bei all dem Spektakel um ihn herum strahlt Andreas Krubitzer. Über hundert Anmeldungen haben er und seine Mitstreiter entgegengenommen, ein Anstieg von mehr als dreißig gegenüber dem Vorjahr. 2016, beim dritten Rennen, waren es noch 40 Teilnehmer, 2017 schon über 60, die sich mit ihren Benzinkutschen auf die 80 Meter lange Sprintstrecke gewagt haben, im Wettstreit gegeneinander, gegen die Uhr, gegen die Gesetze der Mechanik und bis an die Grenzen der Physik. Diesen kontinuierlichen Anstieg nicht nur der Teilnehmer, sondern auch der Besucher, erklärt sich Krubitzer mit einer effektiven Öffentlichkeitsarbeit und dass es sich unter den Fans des Offroadfahrens immer mehr herumspreche, dass ihnen in den Berglen etwas ganz Besonderes geboten werde.

„Spaß halt, Gaudi und gute Laune“ seien angesagt, feiern, die Begegnung mit Gleichgesinnten und der Austausch über das gemeinsame Hobby, alte Freunde wieder einmal treffen, die man seit Monaten nicht mehr gesehen habe, bringen es Johannes und Steffen aus Welzheim auf den Punkt. „Darauf freust du dich das ganze Jahr!“ Mit seinem 5er Golf trete er heute an, 140 PS stark und mit Allradantrieb, erklärt Johannes, der erst vor drei Wochen an der Rallye München-Barcelona teilgenommen hat – „neun Länder in neun Tagen über öffentliche Straßen“ erklärt er stolz. Und er gehörte zu den 104 Teilnehmern, die es bis ins Ziel schafften. Nein, eine Siegeschance rechne er sich beim Stoppelackerrennen nicht wirklich aus, dafür habe sein Wagen nicht genug Power unter der Motorhaube, aber das sei auch zweitrangig. „Das Wichtigste ist, dabei zu sein!“

Der Einkaufswagen der Mutter als Rennwagen

Natürlich gehe man mit einem gewissen Ehrgeiz an den Start, ergänzt ihn Johannes aus Mutlangen. Man wolle sich beweisen, weniger gegen die anderen Fahrer in Konkurrenz treten. In ihnen sehe man in erster Linie Gleichgesinnte, Autoafine oder Leute mit einem Job in der Branche. Er selbst gehe heute übrigens mit dem Mitsubishi Pajero seiner Mutter an den Start. Sie benutze ihn im Alltag als ihren Einkaufswagen.

Jeweils zwei Fahrzeuge treten in unterschiedlichen Klassen an

Den Anfang macht um 15 Uhr die Klasse bis 75 PS: Lupo, Isuzu, Golf, Subaru, als Exot ein Renault Kangoo, meist altgediente Schlachtrösser, denen man ansieht, dass sie ihre besten Tage bereits hinter sich haben, dazwischen selbst zusammengeschraubte, bisweilen abenteuerliche Eigenbauten. Im Laufe des Nachmittags folgt eine Parade aller Marken und Firmen, die sich in diesem Marktsegment bewegen: SUV, klassische Geländewagen, Pkw mit Vierradantrieb: Jeep, Mercedes, Dodge, Chevrolet, BMW, Lada, Suzuki, Subaru, Ford, außer Konkurrenz ein Porsche Cayenne und ein Audi RS 6. Die einen blitzeblank gewienert und poliert, dass man allein vom Hinschauen schier blind wird, wenn sie sich in der Sonne spiegeln, andere wieder geflickt, ausgebeult, geschweißt, x-mal schon neu grundiert und lackiert, mit und ohne amtlichem Kennzeichen.

Circa 2000 Zuschauer lassen sich das Spektakel nicht entgehen

Vorgestellt und angefeuert werden die Starter von Moderator Joachim Schwarz: „Drück den Lappen runter!“, „Zieh den Motor hoch!“, „Schau nach dem Motor, der nagelt ja furchtbar!“ lauten seine Empfehlungen, aber auch: „Der kleine Lukas sucht seinen Vater. Jockel, du kannst ihn hier bei uns abholen!“ Links und rechts der Strecke haben sich die Zuschauer niedergelassen, geschätzt wohl mehr als 2000, eine große generationsübergreifende Familie. Sie fiebern mit, begeistern sich, leiden mit denjenigen, deren Fahrzeug während oder unmittelbar nach dem Rennen den Geist aufgibt, feiern gemeinsam: Der Staub in der Luft macht durstig, und der Geruch des Gyros, der sich allmählich ausbreitet, verlockt….