Warum es Westsachsen bei Autos etwas robuster mögen

SUV-Modelle, wie hier auf einer Autobahnauffahrt der A 72, sind in Westsachsen offenbar beliebt.

 
 
 

Sie sind wuchtig, sie sind umstritten – und es werden immer mehr. Noch nie waren auf deutschen Straßen so viele SUVs unterwegs wie heute. Auch im Kreis Zwickau ist das nicht anders.
Zwickau.

Ob BMW, VW, Audi, Skoda oder Hyundai: Im Landkreis Zwickau sind SUVs vieler Marken und fast jeder Preisklasse unterwegs. In diesem Jahr werden die Geländelimousinen erstmals die 30-Prozent-Grenze bei den Neuzulassungen knacken, meldete kürzlich die Zeitung „Die Welt“. Sie berief sich auf eine Prognose des Zentrums für Automobilforschung an der Universität Duisburg-Essen. Wie viele SUVs im Landkreis Zwickau zugelassen sind, kann das Landratsamt nicht sagen. Sprecherin Ilona Schilk: „SUVs werden ganz normal unter Kombilimousine geführt.“

Wie sieht er eigentlich aus, der typische SUV-Fahrer? Mirko Vohlde vom Honda-Autohaus Lorenz in Glauchau berichtet, dass die Käufer zwischen 30 und 75 Jahre alt sind. Es handele sich sowohl um Städter als auch um Leute vom Land. 60 bis 70 Prozent der Autos, die Vohlde verkauft, sind schon heute SUVs. Tendenz steigend. Benjamin Voigt vom Autohaus „Motor“ in Lichtenstein, das VW, Audi und Skoda anbietet, sagt, dass SUV-Modelle eher von Kunden aus dem ländlichen Bereich gekauft würden. Worin er den anderen zustimmt: Er verkauft immer mehr davon. Der Anteil liege schon heute bei rund einem Viertel. Laut den Autohaus-Mitarbeitern schätzen die Kunden vor allem das große Platzangebot, den bequemen Einstieg und die erhöhte Sitzposition. Dies wüssten vor allem ältere und behinderte Menschen zu schätzen.

Bequemlichkeit ist das eine, aber wie steht es um den Spritverbrauch? Pauschal lässt sich das nicht beziffern. Ein Blick in die digitale Ausgabe der Zeitschrift „Auto Bild“ macht klar: Vom sparsamen Modell bis zum Mega-Spritschlucker gibt der Markt alles her. So hat die Fachredaktion Ende März unter der Überschrift „Diese SUVs geizen mit Sprit“ die 25 Modelle mit dem niedrigsten Spritverbrauch vorgestellt. Sie beruft sich dabei auf Testwerte, nicht auf Herstellerangaben. Das Resümee: Rund fünf Liter Verbrauch auf 100 Kilometern seien möglich. Im April dann berichteten „Auto Bild“-Journalisten unter dem Titel „Diese SUVs saufen ordentlich was weg“ über Wagen, die bis zu 17,4 Liter Sprit verbrauchen. Autohaus-Chef Steffen Seidel sagt, es gebe SUV-Fahrer, die umweltbewusst seien und Geld sparen wollen. „Nur Kunden, die dicke SUVs mit Allrad und viel PS als Prestigeobjekt kaufen, ist das egal. Aber die kommen nicht in unser Autohaus.“ Seidel verkauft Dacia und Renault. Die meisten seiner Kunden entschieden sich für Kleinwagen mit Preisen zwischen 10.000 und 20.000 Euro in SUV-Optik, sagt er. Allerdings ist SUV nicht gleich SUV. Viele haben zwar das typische Aussehen, aber keinen Allradantrieb. Das belegen auch die Zahlen des Kraftfahrzeug-Bundesamtes, die der Zeitungsdienst Südwest jetzt veröffentlich hat. Er hat recherchiert, wie hoch der Bestand von Allrad-SUVs in den kreisfreien Städten und Landkreisen in Deutschland ist. Und da liegt der Kreis Zwickau mit 9,49Prozent auf Platz 275 von insgesamt 400. Weit hinter dem Vogtlandkreis (14,02Prozent, Platz 45).

Neben Anschaffung und Sprit gibt es Kosten des SUV-Trends, die andere tragen: Weil Autos immer größer werden, müssen Kommunen Parkplätze größer anlegen. Ebenso Supermärkte. Für Radfahrer bergen SUVs ein Risiko, da diese höher sind und damit oft die Sicht einschränken. Außerdem: SUVs sind breit bereift und schwer, was zu mehr Reifenabrieb führt. Der bedeutet aber auch mehr Belastung der Umwelt durch Mikroplastik. Das Fraunhofer-Institut hat 2018 herausgefunden: Reifenabrieb ist in Deutschland der mit Abstand größte Verursacher von Mikroplastik. Etwa ein Drittel dieser Emissionen entfallen hierzulande darauf.

Dass manche einen SUV nicht zum Protzen, sondern der Arbeit oder des Ehrenamts wegen haben, zeigt das Beispiel Andreas Trautmann von der Grünen Liga Westsachsen. „Wenn der Skoda Yeti zu den SUVs zählt, dann fahre ich auch einen“, sagt er. „Ich bin als Naturschützer oft in unwegsamem Gelände unterwegs. Und als Amphibienexperte muss ich eine sperrige Ausrüstung mitnehmen.“ Allerdings achte er darauf, nur zu fahren, wenn es wirklich nötig ist. Und dann spritsparend. Außerdem kaufe er keine Neuwagen, sondern Gebrauchte.

Für alle, die nicht auf einen SUV verzichten wollen, hat Christian Blumhagen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau, einen Tipp: „Wer die Feinstaubemission im Stadtverkehr möglichst gering halten möchte, für den könnte auch ein Plug-in- Hybridfahrzeug infrage kommen. Diese Autos können gegenwärtig, auch infolge gesetzlicher Rahmenbedingungen, etwa 40 Kilometer am Stück rein elektrisch fahren.“