Tokyo Motor Show: Grips bringt Grip

Nissan Ariya: Der batterieelektrische SUV geht 2020 in Serie – mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb

 
 
 

Allrad ist eine der Domänen der japanischen Autobauer. Dass den Entwicklungsabteilungen die Ideen nicht ausgehen, belegte ein Rundgang auf der Tokyo Motor Show.

Dass Studien, Showcars, Konzeptfahrzeuge, dieser schillernde Nippes der Autosalons, in den vergangenen Jahren immer mehr und heuer fast ausschließlich batterieelektrisch konfiguriert waren, ist ein Trend, der auch vor Japan nicht haltmacht. Die Tokyo Motor Show gab ein beredtes Abbild davon und belegte zugleich, dass nun auch die größte Autonation der Welt auf breiter Front auf dieses Mobilitätskonzept setzt.

Außer Honda (neuer Jazz; Kleinwagen, Frontantrieb) und Mazda (MX-30; Elektro-SUV, Frontantrieb), die sich auf besagte Serienmodelle konzentrierten, hatten alle anderen Hersteller entsprechende Trümpfe im Ärmel, wir greifen der Größe nach nur rasch folgende Auswahl heraus: Suzuki Hustler Concept, Mitsubishi MI-Tech Concept, Nissan Ariya und Lexus LF-30 Electrified Concept. Sie allein schon veranschaulichen, wie kreativ und findig Nippons Ingenieure das Thema Allradantrieb – mögliches Motto: Grips bringt Grip – in die teils schon ganz nahe Zukunft denken.

Schnuckelige Kleinst-SUVs

Beim Allrad- und Kleinwagenspezialisten Suzuki standen zwei schnuckelige kastenförmige Kleinst-SUVs im Rampenlicht, die den Japanern Lust auf mehr mit der Kennung Hustler (Wühler) machten – die Baureihe ist dort, und leider nur dort, bereits erhältlich. Der Hustler Concept 1 dient sich dabei als Mini Crossover an, der Hustler Concept 2 mit „Urban Outdoor Design“ zielt hingegen auf das urbane oder auch rurale Abenteurer (soweit das in Japan möglich ist) – mit permanentem Allradantrieb, wie von Suzuki gewohnt.

Große Resonanz auf der Tokyo Motor Show fand auch die Studie MI-Tech von Mitsubishi. Schon das Konzept erregte Aufmerksamkeit – ein zweisitziger SUV, der auch ein Cabriolet ist, sieht fast nach Buggy aus, und nicht von ungefähr verspricht der Hersteller „bei Sonne und Wind unvergleichlichen Fahrspaß und Sicherheit auf jedem Terrain“. Den Antrieb besorgt ein ebenso extravaganter wie kompakter serieller Plug-in-Hybrid: Ein Gasturbinen-Motor-Generator ist zuständig für die Stromerzeugung, er speist die Batterie, deren Saft vier Elektromotoren – je zwei an Vorder- und Hinterachse – mit hoher Kunstfertigkeit an die Räder abliefern. Die raffinierte Regeltechnik des „Super All Wheel Control“ (S-AWC) beinhaltet eine aktive Giermomentregelung, Torque-Vectoring vom Feinsten mithin.

Pfiffig, seriös

Dient der MI-Tech als Demonstrator, der aufzeigen soll, wie viel technischen Scharfsinn man in ein pfiffiges Showcar reinpacken kann, so wirkt der Nissan Aryia ungleich seriöser. Kein Wunder, rollt doch das Serienmodell bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 in die Schauräumer der Händler und von dort hinaus zur p. t. Kundschaft. Hauptbotschaft: erster batterieelektrischer SUV von Nissan. Nebenbotschaft, im hiesigen Zusammenhang interessanter: Allradantrieb. 4,60 Meter lang ist der Ariya, zwei Jahre zuvor war er in der Studie IMx schon einmal avisiert worden. Über die Leistungsdaten hält Nissan sich noch bedeckt (gemunkelt wird von rund 500 km Reichweite und zwei Leistungsstufen – ca. 65 und ca. 90 kW), aber so viel verrät der Hersteller doch schon vorab: Zwei E-Motoren, einer vorn, einer hinten, bewirken ein „Hochleistungs-Allradsystem“. Dessen Technik selbst basiere „auf der jahrelangen Entwicklung von Fahrzeugkontrollsystemen“, wie sie etwa in GT-R und Patrol zum Einsatz kämen.

„Vorbote einer neuen Fahrzeuggeneration“

Und damit zur schrägsten Allradstudie der Tokyo Motor Show, zum Lexus LF-30. Toyotas Premium-Marke beschenkt sich damit selbst zum 30-jährigen Firmenjubiläum, der futuristische Elektro-Flügeltürer dient als „Vorbote einer neuen Fahrzeuggeneration“. Was für ein Öko-Keil: 5,09 Meter lang, 400 kW (544 PS) stark, 110-kWh-Batterie, 500 km WLTP-Reichweite, vmax: 200 km/h, null auf 100 km/h: 3,8 Sekunden. Clou des Showcars, das sich diese Bezeichnung redlich verdient, sind die vier unabhängig voneinander angesteuerten Radnabenmotoren, die den Lexus LF-30 je nach Bedarf zu einem Front- oder Hecktriebler machen – oder eben zum Allradler.