Grandland X als Plug-in-Hybrid im Test

Opel könnte noch mehr aus der Plattform herausholen

 
 
 

300 PS und Allrad im Opel Grandland X Hybrid4 – ganz viel Bums dazu. Aber ist uns das über 50.000 Euro wert? Die Antwort gibt ein Test.

Unnützes Wissen kann man nie genug haben! Angenommen, der Nachbar kriegt einen neuen Dienstwagen, und es ist ein Opel Grandland X, er glitzert in Rotmetallic, Dach, Haube und Seitenspiegel sind in Schwarz, dann wissen Sie: Der Wagen kostet 54.130 Euro und ist ein Plug-in-Hybrid mit 300 PS und elektrischem Allrad in der Ausstattungs-Vollfettstufe „Ultimate“.

Der Wagen steht wie Peugeot 3008 und DS 7 Crossback auf der PSA-Plattform EMP2, Opel steuert dieses „Fährt-gut-lenkt-gut-Gefühl“ bei. Um ehrlich zu sein, können wir uns nicht erinnern, wann wir zuletzt einen solchen Blitz unterm Hintern hatten: 5,3 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 (Opel sagt 6,1), 2,2 Sekunden für den Ampelspurt auf 50 Sachen. Mensch, Opel! Endlich baut ihr einen geölten Blitz! In allen Lebenslagen hat der Plug-in-Grandland Bums wie früher vielleicht ein Lotus Omega. Ist aber viel geschliffener. Wo die Konkurrenz ein Doppelkupplungsgetriebe einbaut, das dich mit Schaltruckeln nervt, koppelt Opel eine wunderbar ansprechende Achtstufen-Wandlerautomatik an die Motoreinheit.

Opel könnte noch mehr aus der Plattform herausholen

Die besteht aus einem 1.6er-Turbobenziner mit 200 PS und zwei E-Motoren, vorn 110 und hinten 113 PS. Macht unterm Strich 300 PS Systemleistung und ehrliche 45 Kilometer elektrische Reichweite. Vor allem aber: diesen Wahnsinns-Bums beim Beschleunigen! Top-Beschleunigung, trotzdem nur eine 3+ im Test? Das liegt nicht nur am hohen Preis. Der Grandland darf leider nicht so gut sein, wie Opel es könnte. Zum Beispiel der Kofferraum. Seitlich mit Hartplastik und Kratzer-Garantie ausgekleidet, der doppelte Ladeboden ist eine billige Teppichmatte, die man in die seitlichen Federschnapper einrasten könnte, wenn sie nicht so labbrig wäre. Und leider haben sie den Plug-in-Grandland nicht so dynamisch straff gefedert, wie er es verkraften könnte. Zu viele Wankbewegungen, zu langes Ausfedern auf langen Wellen. Die leichtgängige, aber zu diffuse Lenkung kennen wir schon aus dem DS 7.

Viel Bums für zu viel Geld? Auf den ersten Blick: ja. Auf den zweiten sehen wir: Basispreis ist Endpreis, viel teurer wird es nicht. Und ist der Opel ein Dienstwagen, muss man nur 0,5 Prozent versteuern. Fährt also ein 300-PS-SUV zum Corsa-Preis. Wieder was aus der Abteilung unnützes Wissen.
Das Fazit: Ein Opel mit 300 PS und elektrischem Allrad für über 50.000 Euro! Das ist vor allem ein Auto für Dienstwagen-Fahrer, die nur halbe Steuern zahlen. Wenn sie nur ins Büro fahren, machen sie das sogar rein elektrisch! AUTO BILD-Testnote: 3+